Service in Deutschland
Manchmal frage ich mich, ob der Servicegedanke, den ich in den USA erlebe, nicht doch eine Nummer zu groß ist für das Spießer-Eldorado "Deutschland". Den richtigen Weg geht so mancher Filialist und wer glaubt, dass da jemand dazugelernt hat, muss schnell feststellen, dass da doch wieder die Amerikaner ihre Finger im Spiel haben. Service ist eben doch nichts für Lodenträger. Da reizt denn auch nicht die Aussicht auf ein gutes Geschäft. Eigentlich müsste man ja schon stutzig werden, wenn man dafür belächelt wird, dass man nicht mehr als 1000,- DM für eine Fahrrad ausgeben möchte. Der Kunde steht im Mittelpunkt und damit ständig im Wege.
Sie sagen, alles dreht sich um den Kunden, und lassen sich von der Fliehkraft davontragen. Ich möchte gar nicht aufzählen, an wie vielen Verkaufstheken ich schon vergeblich darauf gewartet habe, bedient zu werden. Da ist eben immer was ganz Wichtiges im Hinterzimmer zu erledigen oder äußerst wichtige Informationen mit dem Kollegen auszutauschen. Eigentlich ist es ja eine Frechheit von den Kunden, dass sie sich nicht diskret davonstehlen und einfach etwas später wiederkommen. Irgendwie steckt das ja auch noch immer in unseren Köpfen fest, dass eigentlich "wir" diejenigen sind, die etwas wollen. Wer leitet seine Ansprache an eine Verkäuferin/Kellnerin oder einen Verkäufer/Kellner nicht mit den Worten ein "...entschuldigen Sie bitte...". Eigentlich fehlt doch nur noch "...dass ich Sie störe...".
Ich jedenfalls habe mir angewöhnt, zu gehen, wenn ein Geschäft nicht gewünscht wird. Gehe ich eben wieder hinaus in die erbarmungslose Servicewüste. Höflicher kann man als Kunde doch nun wirklich nicht sein.